Ich nutze das iPhone 3GS nun über eine Woche und muss sagen: Apple setzt mit dem neuen iPhone 3GS (S=Speed, Geschwindigkeit) einen neuen Standard für Smartphones. An den Features und der Benutzerfreundlichkeit des neuen Apple-Handys müssen sich auch künftig die Wettbewerber von RIM (Blackberry), Nokia (Symbian-Smartphones) Palm (WebOS-Phones wie der Palm Pre) und natürlich auch Microsoft mit seinem veralteten Windows Mobile messen lassen. Das iPhone 3GS ist nicht perfekt – auf die kleinen Mängel gehe ich später noch ein. Es dürfte aber das beste Smartphone sein, das man derzeit kaufen kann. Mit diesem Urteil gerät man natürlich in den Verdacht, ein Apple-Fanboy zu sein, der das iPhone ohnehin bevorzugt. Aber etliche Kollegen sehen das in ihren Tests genau so. Mehr dazu im zweiten Teil meines Berichts.
Das iPhone 3GS wurde mit einem neuen Innenleben ausgestattet. Laut Apple-Insider verwendet Apple nun wie der Palm Pre einen Mikroprozessor von Samsung (ARM Cortex-A8 Prozessorkern und ein Grafikkern PowerVR SGX von Imagination). Ich habe mein Testgerät nicht zerlegt, sondern warte geduldig darauf, dass iSupply oder andere Freaks ihr iPhone 3GS sezieren.
Update: iFixIt hat das iPhone 3GS auseinander genommen:
AppleInsider | Second iPhone 3GS tear-down filmed with another iPhone 3GS.
In der WWDC-Keynote sagte Phil Schiller, das iPhone 3GS sei durchschnittlich doppelt so schnell wie das ältere iPhone 3G. Tatsächlich spürt man deutlich einen Geschwindigkeitsvorteil. Das Smartphone bootet schneller und benötigt nun rund 20 Sekunden für das Hochfahren. Im Vergleich: das erste iPhone benötigt 38 Sekunden, das 3G immerhin noch 29 Sekunden.
Ich war zunächst skeptisch, ob sich die schnellere Hardware nicht als Stromfresser erweisen wird. Immerhin wird der nun verwendete Chipsatz mit einer Taktfrequenz von 600 MHz betrieben (bislang waren es nur 412 MHz). Das führt zwangsläufig zu einem höheren Energiebedarf, wenn das iPhone richtig zu tun hat. Unterm Strich überrascht das neue iPhone 3GS dann doch mit längeren Batterielaufzeiten, wohl auch, weil die Aufgaben abgearbeitet werden und die CPU schneller in den Standby-Modus wechselt. Zum geringeren Strombedarf dürfte auch beitragen, dass der Chipsatz nun im 65nm-Prozess gefertigt wurde. Bislang hat Apple Prozessoren mit einem 90nm-Prozess verwendet.
Apple könnte auch die Batterie optimiert haben. Nichts genaues weiß man nicht – auch weil Apple nicht über Hardware-Details sprechen möchte. Produktmanager Greg „Joz“ Joswiak sagte mir vor einigen Tagen auf dem WWDC: „Wir sprechen nicht von Prozessortypen oder Taktfrequenzen – weil es dem User letztlich egal sein kann. Er will nur, dass das Gerät einfach und schnell zu bedienen ist.“
In meinem Test registrierte ich dankbar eine spürbar längere Laufzeit. Meine Werte liegen allerdings etwas unter den Zeitangaben von Apple auf der WWDC, die hier auf den Foto zu sehen sind. Wer die Akkulaufzeit weiter verlängern will, schaltet 3G-Modus, WLAN und/oder Bluetooth ab und lässt nicht permanent nach neuer E-Mail suchen. In Situationen, in denen man ohnehin kaum Netzempfang hat (Kino-Besuch, Fahrt im Zug) lohnt es sich auch, den stromsparenden Flugzeug-Modus zu aktivieren.
Zurück zum Thema „Speed“: An Geschwindigkeit hat das iPhone 3GS auch bei den UMTS-Verbindungen zulegt. Das Apple-Handy beherrscht nun auch den UMTS-Torbo HSDPA, womit zumindest theoretisch Download-Geschwindigkeiten von 7,2 Mbit/s möglich sind. In der Praxis erreicht man – mit dem iPhone 3GS wie mit anderen Smartphones – diesen Wert nur selten, schon weil man fast nie eine Funkzelle für sich alleine hat. Das Hochladen geht ohnehin gemütlicher vonstatten: HSUPA bietet maximal nur 384 kByte/s. Daher erfordern Video-Uploads auf Youtube oder MobileMe oder der Versand von größeren E-Mail-Anhängen etwas Geduld.
Bei meinen Testdownloads (HSDPA) habe ich je nach Mobilfunkzelle bis zu 520 kByte/s erzielt. Damit spielt das iPhone 3GS in einer Liga mit den schnellsten verfügbaren Mobilfunkgeräte. Beim Upload dauerte alles viel länger: Hier erreichte ich bis zu 44 kByte/s, was für den von Apple verwendeten Sendemodus nicht schlecht ist. Allerdings beherrschen manche Geräte von Konkurrenz bessere UMTS-Sendemodi, nämlich HSUPA mit 1,4 MBit/s oder sogar Spitzengeschwindigkeiten bis zu 5,7 MBit/s. Wer also ständig große Datenmengen ins Netz hochladen muss, sollte sich andere UMTS-Handys und Sticks anschauen.
Das UMTS-Modem des iPhone 3GS lässt sich nun auch für eine Internet-Verbindung am Laptop nutzen. Im Fachchinesisch der Apple-Ingenieure heißt diese Funktion „Tethering“ – und für mich völlig unverständlich – hat niemand bei Apple dafür ein vernünftiges deutsches Wort gefunden. So wird also auch in der deutschen Sprachversion „Internet-Tethering“ am oberen Rand des iPhone-Bildschirms angezeigt, wenn das Handy als UMTS-Modem dient. T-Mobile unterstützt derzeit Internet Tethering noch nicht (siehe auch: merkur: I-Phone als Modem ab September?.
Das „Internet-Tethering“ nutzt nur die Mobilfunkverbindung, also nicht das WLAN-Radio im iPhone 3GS. Die Verbindung zwischen iPhone und Laptop wird entweder über das weiße USB-Kabel oder über Bluetooth hergestellt. Ich habe „Tethering“ mit einem MacBook getestet, es funktioniert aber nicht nur mit einem Mac, sondern auch auf einem Windows PC. Am Mac und PC über USB angeschlossen wird das iPhone immer geladen. man sollte daher beim Dauerbetrieb auch die Batterie seines Laptops im Auge behalten.
Beim Mac läuft die Datenverbindung via iPhone 3GS so ab: In den Systemeinstellungen/Netzwerk erscheinen zwei neue Schnittstellen, nämlich Bluetooth PAN und Ethernet en3. Für die eigentliche Internet-Konnektivität ist keine Zusatzsoftware nötig. Steckt man das Kabel an, holt sich das MacBook automatisch eine IP-Adresse aus dem Bereich 192.168.20.x. Das iPhone übernimmt dann die Rolle eines Router (192.168.20.1). Die Adressen für den Domain Name Server (DNS) sowie die Suchdomains werden automatisch eingetragen.
„Tethering“ funktioniert allerdings nicht, wenn die iTunes-Software gerade mit dem iPhone kommuniziert. Und wenn das iPhone als UMTS-Modem eingesetzt wird, kann man nicht parallel einen Abgleich zwischen iTunes und dem iPhone vornehmen. Wer „Tethering“ nicht nutzt, sollte die Funktion in den Einstellungen deaktivieren, um mögliche Konflikte zwischen iTunes und „Tethering“ zu vermeiden.
Verbindet man das iPhone 3GS via Bluetooth mit dem Laptop, büßt man deutlich an Geschwindigkeit ein und kann die HSDPA-Datenrate nicht ausschöpfen. Dafür nascht das iPhone dann auch nicht ständig am Strom des Laptops. Im Test fiel auf, dass die Kurzanleitung im iPhone zum Bluetooth-Pairing die Anwender auf die falsche Fährte führt. Man darf nicht vom iPhone aus die Verbindung zum Laptop aufbauen, sondern vom Mobilrechner aus. Das iPhone 3GS muss sich im Erkennungsmodus befinden (dazu Einstellungen, Allgemein, Bluetooth öffnen. Unterhalb der gekoppelten Gegenstellen steht dann “Jetzt sichtbar“”). Das Tethering klappte dann einwandfrei.
Mit „Tethering“ wird bei mir persönlich mittel- und langfristig die Software Launch2Net überflüssig, mit der ich mich bislang über einen UMTS-USB-Stick außerhalb eines WLAN-Hotspots mobil im Internet bewegt habe.
Für den zweiten Teil des Tests “iPhone 3GS” hier klicken.











